Lounge mit Leidenschaft

Marc Collin ist nicht ganz unschuldig daran, dass ein laszive Easy-Listening-Sound ab 2004 Zugang zu vielen Clubs und Bars fand. Damals erschien das erste Album von Nouvelle Vague, auf dem der Franzose Wave- und Punk-Klassiker in einem geschmeidigem Bossa-Nova-Korsett neu interpretierte. Wegen des Erfolgs folgten viele weitere Teile, die teils genial umgesetzt waren, zuletzt aber am Rande der Belanglosigkeit entlangdrifteten. Deswegen suchte sich Collin nun eine neue Stilrichtung für seine Coverversionen: Er lässt den TripHop-Sound neu aufleben, der Anfang der 90-er von Bristol aus die Welt eroberte. Passenderweise trägt das Projekt dann auch den Namen der englischen Stadt.

Auf “Bristol”, dem Debütalbum, geht es zwar auch in die Retro-Ecke, Collin orientiert sich aber eher an der akustischen Seite französischer Chansons. Dazukommt auch noch ein guter Schuss des ursprünglichen, düsteren Bristol-Sounds. Jener Mischung aus Dub, HipHop, Soul und Jazz, die als TripHop zum Begriff wurde und in den frühen 90er-Jahren die Tanzflächen füllte.

Infos
Bewertungüberzeugend
CD-TitelBristol
Bandname/InterpretBristol
GenreRock/Pop
GenreEasy Listening/Pop
Erhältlich ab03.04.2015
LabelQQ5
VertriebRough Trade
Laufzeit51:22
EAN Code4250788800811

Klanglich findet man sich also grundsätzlich in der gleichen Situation wie bei den Nouvelle-Vague-Alben wieder: Man hört einen lasziv-entspannter, jazzig-akustischer Lounge-Sound, dem oftmals ein bekannter Refrain innewohnt. Das sorgt für kurzweilige Unterhaltung und ist auch als Hintergrund-Gesäusel alltagstauglich, zeigt aber vor allem, welches Hit-Potenzial in den Original-Songs steckt, deren Genialität auch im gefälligen Sound von Collin weiterlebt. Eine angekündigte filmische Dokumentation sowie eine Ausstellung über Collins Liebe zur Stadt Bristol zeigen zudem, dass es ihm nicht bloß um Geldmacherei mit den Juwelen anderer Künstler geht. Glücklicherweise ist der Nouvelle-Vague-Produzent tatsächlich immer noch – und wieder – mit Leidenschaft bei der Sache.

Klaas Tigchelaar, © teleschau | der Mediendienst

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