Chansons mit Cantona

“Du bist die ganze Welt” – eine Zeile, die so ähnlich in jeder Sprache und zu jedem Instrument wohl schon zigfach gesungen wurde. Überzeugender und gleichzeitig widersprüchlicher als bei der Schweizer Sängerin Sophie Hunger hat man sie jedoch selten zuvor gehört. Nach drei hochgelobten Alben gelingt es ihr auch auf dem vierten namens “Supermoon” wieder, derlei kitschbelastete Texte mit vielseitiger Stimme in neuen Kontexten zum Besten zu geben. Und das in nicht weniger als vier Sprachen: Auf Englisch, Deutsch, Französisch und Schweizerdeutsch schafft die in Bern geborene und unter anderem in England aufgewachsene Künstlerin Pop im besten aller Sinne. Was das genau heißt? Beispielsweise ein altes Lied von Romy Schneider im Duett mit dem Fußballer Éric Cantona zu covern.

“Ich üb’ an Haltung / im Garten mit arbeitslosen Akrobaten / auf Terpentin” singt Sophie Hunger in erwähntem “Die ganze Welt”, bevor der schmalzbelastete Refrain einsetzt. Zwei Strophen weiter heißt es: “Ich schaue CNN / geköpfte Kurden und einen Weltrekord im Spurten / Ich bin so aufgeklärt”. Die Songwriterin, die in ihrem Heimatland schon lange ein Superstar ist, hat keine Angst vor klugen, unbequemen Texten, keine Angst vor Reflexion. Das Ich, die Liebe und die Welt in ihrer Schönheit wie Kaputtheit leidenschaftlich zu umgreifen, das gelingt der 32-Jährigen auch auf ihrem vierten Longplayer “Supermoon”.

Infos
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelSupermoon
Bandname/InterpretSophie Hunger
GenreRock/Pop
GenrePop
Erhältlich ab24.04.2015
LabelCaroline
VertriebUniversal
Laufzeit43:01 Min.
EAN Code7640153362360

Mal düster wie in “Supermoon”, mal frech plätschernd wie in “Superman Woman”, doch immer überaus elegant, geht es meist um zwischenmenschliche Verhältnisse. Zur Banalität geraten die Lebens- und Liebeslyrics in den von halligen Synthies, sphärischen Streichern, emotionalen Klavierpassagen und bluesrockigen Gitarren begleiteten Stücken aber so gut wie nie. Dafür sorgen mannigfaltige Brüche: Ob die mit triphoppigen Beats unterlegte Anti-Hymne “Fathr”, sicherlich einer der besten Songs der Platte, oder das dumpf Bongo-artig trommelnde Knistern des molllastigen “The Age Of Lavender”, oder auch das choralische, von einer Art schweizerdeutschem Sprechgesang unterlegte “Heicho”: Dahinplätscherndes Popgedudel sucht man auf “Supermoon” glücklicherweise vergebens.

Genial und unbequem: Was Sophie Hunger für den Mainstream-Pop ist, war ihr einziger Gastmusiker in den 90er-Jahren für den Fußball. Mit Éric Cantona holt die zurzeit in Berlin lebende Chansonnière für das wundervolle “La Chanson d’Hélène” wohl den coolsten Support des Jahres an Bord. Und der legt gut los: Mit tiefbassig-hauchender Stimme begleitet der legendäre französische Fußballer das Cover, das im Original von Romy Schneider und Michel Piccoli 1970 im Filmklassiker “Die Dinge des Lebens” gesungen wurde. Wie es zu der ungewöhnlichen Zusammenarbeit kam? Hunger ist Fußballfan – und Cantona verehrt ihre Musik. Kann es eigentlich ein schöneres Lob geben?

Sophie Hunger auf Deutschland-Tournee:

06.05., München, Freiheiz

07.05., Köln, Gloria

13.05., Hamburg, Mojo Club

14.05., Berlin, Heimathafen

16.05., Frankfurt, Alte Oper

18.06., Berlin, Kesselhaus

20.06., Duisburg, Traumzeit Festival

18.07., Lörrach, Stimmen Festival

01.08., Oberammergau, Heimatsound Festival

02.08., Karlsruhe, Zeltival

28.08., Berlin, Pop-Kultur

05.09., Leipzig, Parkbühne

Maximilian Haase, © teleschau | der Mediendienst

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